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Reiki als ultimative Wahrheit?
Die ultimative Wahrheit ist gefährlich, das gilt für Reiki wie auch für alles
andere. Dazu möchte ich Ihnen einen Artikel vorstellen, der erschienen ist am
13. April 2004, in: DIE WELT
Warum der Schriftsteller Paulo Coelho für die Unesco arbeitet, und wie
Wissenschaft und Spiritualität die Welt verbessern können von Norbert Lossau
Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho wurde durch den Bestseller "Der
Alchimist" weltbekannt. Über das Verhältnis von Wissenschaft und Spiritualität
sprach mit ihm Norbert Lossau.
Die Welt: In welchem Verhältnis stehen Wissenschaft und Spiritualität
zueinander?
Paulo Coelho: Menschen haben schon immer nach einem Sinn für ihr Leben gesucht.
Und da gibt es im Wesentlichen drei Wege: Kunst, Wissenschaft und Religion. Wenn
man sich etwa die Steinzeitmalereien in den Höhlen von Lascaux in Frankreich
anschaut, dann ist das ja zum einen Kunst, es wird aber auch Wissenschaft und
Technik in Gestalt von Pfeil und Bogen dargestellt, und die Intention der
Zeichner war eine magische Beschwörung. Doch wenn sich Wissenschaft und Religion
begegnen, dann drohen Schwierigkeiten. Spiritualität hat ja nichts damit zu tun,
ob man an Gott glaubt oder nicht. Sondern es geht dabei um ein holistisches
Bewusstsein. Im Mittelalter versuchte die Religion, die Wissenschaft zu
dominieren. Berühmt ist das Beispiel Galileo Galileis, der seine
wissenschaftliche Erkenntnis, dass die Erde nicht das Zentrum des Weltalls ist,
verleugnen musste.
Im 20. Jahrhundert haben wir dann das Gegenteil erlebt - nämlich eine Diktatur
der Wissenschaft, die uns erzählen will, dass sich die Welt nur aus
wissenschaftlich beweisbaren Dingen zusammensetzt. Dadurch sind uns die Mystik
und ein Teil unserer Seele verloren gegangen. Natürlich besteht dieser Tisch
hier aus Atomen, das wissen wir. Doch es gibt auch Emotionen zwischen Ihnen und
mir, die man nicht sehen kann. Und Emotionen spielen in unserer Welt eine sehr
große Rolle. Wir sollten akzeptieren, was Shakespeare seinen Hamlet so klug
sagen lässt: Es gibt viel mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich die
Philosophen träumen lassen.
Die Welt: Was bedeutet dies heute?
Coelho: Wir befinden uns an einer ganz wichtigen Weggabelung. Wenn wir
Spiritualität als Religion begreifen, dann sind wir in Gefahr. Organisierte
Systeme der Spiritualität nehmen dem Menschen die Verantwortung ab, sich
wirklich auf die unsichtbare Welt einzulassen. Wenn wir aber den Reichtum des
Universums und der Welt in uns akzeptieren, dann können wir respektvoll und
friedlich miteinander leben. Die wichtigste Frage in unserem Leben lautet doch:
Wer bin ich! Und ich habe darauf keine Antwort. Doch wenn man das akzeptiert,
dann lässt sich der Horizont erweitern und das Leben wird reicher. In unserer
Zeit werden sich immer mehr Menschen ihrer inneren Potenziale gewahr. Sie merken
auch, dass man diese Dinge nutzen kann, ohne sie erklären zu können oder zu
müssen. Vielleicht wird es ja in der Zukunft einmal ein gemeinsames Fundament
von Wissenschaft und Spiritualität geben. Doch vorerst sollte man sie lieber
voneinander trennen.
Die Welt: Können diese beiden Welten dennoch voneinander lernen, obwohl sie
getrennt sind?
Coelho: Viele Wissenschaftler, die ich im Laufe meines Lebens kennen lernen
durfte, sind faszinierende Menschen. Und zweifelsohne beeinflusst die
Wissenschaft mein Leben. Ich habe erfahren, dass Forscher oft nicht sagen
können, wie sie zu einer genialen Erkenntnis gelangt sind. Sie haben mir gesagt,
da sei irgendetwas in ihnen vorgegangen, das sie selber nicht verstanden haben.
Auch Wissenschaftler nutzen also Intuition oder haben, wie Carl Jung sagen
würde, einen Zugang zur Anima Mundi, zur gemeinsamen Seele der Welt, in der
alles mit allem zusammenhängt. Die Wissenschaft hilft uns dabei, die wichtigste
aller Aufgaben zu leisten: Respektiere deinen Bruder. Denn schließlich können
ihre Erkenntnisse etwa im Kampf gegen Krankheiten oder auch den Hunger Großes
leisten.
Die Welt: Schafft die Wissenschaft also erst die Voraussetzung für ein
spirituelles Leben, indem sie zunächst die elementaren Bedürfnisse der Menschen
befriedigt.
Coelho: Ja, das stimmt. Wenn man nicht genug zu essen hat und keinen Platz zum
Schlafen, dann beschränkt sich Spiritualität auf eine Flucht aus der Realität.
Sowohl Kunst, Wissenschaft als auch Spiritualität sind letztlich darauf
ausgerichtet, den Zustand der Welt zu verbessern. Die Grundbedürfnisse werden
tatsächlich von der Wissenschaft befriedigt. Aber die Bedeutung der
Spiritualität darf man nicht unterschätzen. Leider wird heute sehr oft versucht,
einfache Antworten zu geben. In einer Welt, die voll von einfachen Antworten
ist, in der Menschen in gute und schlechte eingeteilt werden, in der sowohl
Wissenschaftler als auch spirituelle Führer für ihr Wirken kritisiert werden,
müssen wir alle gemeinsam die Welt verbessern. Nonsens wäre es allerdings, wenn
man versuchen wollte, mit einer mathematischen Formel die Existenz von Gott
beweisen zu wollen.
Die Welt: Hat die Dominanz der Wissenschaft im 20. Jahrhundert die Spiritualität
tatsächlich zurückgedrängt?
Coelho: Nicht wirklich. Zum Beispiel wurde in den früheren kommunistischen
Ländern die Religion stark unterdrückt - dennoch war sie dort nicht tot. Nach
dem Fall der Berliner Mauer kam die Religion im Osten Europas sofort wieder
zurück. Ich gebe zu, dass die Wissenschaft durchaus den Zustand der Welt
verbessert hat. Doch dass in diesem Zeitgeist die Spiritualität gering geschätzt
wurde, hat mich nicht glücklich gemacht.
Die Welt: Wie durch Wissenschaft und Technik die Welt verbessert werden kann,
leuchtet wohl zumindest im Prinzip den meisten Menschen ein. Doch wie kann
Spiritualität die Welt verbessern?
Coelho: Weil uns die Spiritualität ein ethisches Bewusstsein schenkt. Wenn man
es wirklich fühlt, dass es da ein Mehr gibt, dann widmet man sich auch den
Menschen in seiner Umgebung mit einer ganz anderen Aufmerksamkeit. Und das ist
schließlich der einzige Weg, der uns auf diesem Planeten wirklich weiterbringen
wird.
Die Welt: Sie besuchen seit vielen Jahren den Weltwirtschaftsgipfel, das World
Economic Forum von Davos. Was bringt Ihnen das?
Coelho: Es ist wichtig, dass dort so viele verschiedene Strömungen und
Ansichten aufeinander treffen. Da gibt es unzählige Möglichkeiten, Dinge zu
besprechen, Standpunkte auszutauschen und zuzuhören. Das ist von größter
Bedeutung. Man muss gerade dann miteinander reden, wenn es unterschiedliche
Ansichten gibt.
Die Welt: Sie arbeiten in einem Unesco-Programm zur Spiritualität. Welche Rolle
haben Sie da?
Coelho: Vorweg gesagt; ich bin kein spiritueller Führer, sondern ein
Schriftsteller. Ich möchte in meinen Büchern darstellen, wie ich das Universum
sehe. Doch vor einigen Jahren erkannte ich die ersten Anzeichen einer
gefährlichen Intoleranz. Wir könnten in der Zukunft Probleme bekommen - nicht
durch ein Aufeinanderprallen von verschiedenen Kulturen, sondern von Religionen.
Es ist riskant, wenn zwei Seiten jeweils für sich in Anspruch nehmen, die
ultimative Wahrheit zu kennen, und nicht mehr miteinander reden. Seitdem
engagiere ich mich also in diesem Programm der Unesco. Ich spürte, dass es meine
Verantwortung ist, an dieser Stelle einen Dialog zwischen den erschiedenen
Parteien zu fördern. Man muss miteinander reden und diskutieren. Dabei geht es
nicht darum, den anderen konvertieren zu wollen. Doch es muss möglich sein, sich
gegenseitig zu respektieren. Meister Eckardt hat einmal etwas sehr Weises
gesagt: "Achte Menschen, die versuchen die Wahrheit zu finden. Aber nehme dich
in Acht vor Menschen, die sie gefunden haben."
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Glücksvirus, ansteckend?
Hier noch zu guter Letzt ein paar eigene Worte:
Ist das Gegenmittel bei Depression bald entdeckt?
Ein neuartiger Glücksvirus verbreitet sich epidemieartig über ganz Deutschland.
Deklaration: Höchst ansteckend! Wer sich ansteckt, wird süchtig,
Entzugserscheinungen konnten bisher nicht getestet werden. Versuchsreihen laufen
an, bis jetzt sind noch keine Gegenmittel erwünscht. Die Bevölkerung ist
aufgerufen, sachdienliche Hinweise und Erfahrungen mitzuteilen, Belohnung!
Unmöglich, kaum zu glauben, kann nicht sein, denken Sie? Wenn ich Ihnen jetzt
sagen würde, statt Glücksvirus wären es Pocken oder Ebola, wäre es einfacher zu
glauben, oder?
Warum glaubt man schlechte Nachrichten sofort?
So einfach scheint es also nicht zu sein und wie bestimmt schon abertausend mal,
wieder einmal der Wunsch: das Glück müßte man kaufen können. Aber wir alle haben
schon einmal gehört, Gefühle bekommt man nur geschenkt, die wahren, tiefen,
ehrlichen, aber wie und woher? Sie wissen es nicht? Es könnte sein, daß Sie dann
vergeblich warten, oder ... ... Sie fangen an sie auszusäen.
Wie das gehen soll? Sie sagen, Sie haben niemals Dank ernten können für Ihren
Einsatz, wenn Sie versucht haben, anderen zu ein wenig mehr Glück zu verhelfen,
schon gar nicht von dem, dem Sie eigentlich helfen wollten?
Sie wollen mir aber jetzt nicht sagen, Sie wollten doch einen Handel daraus
machen ..., oder?
Sie wissen es doch auch ganz genau, wahre ehrliche Gefühle bekommt man nur
geschenkt und man kann sie auch nur verschenken aus tiefem Herzen, ohne etwas
dafür zu fordern oder zu erwarten, denn sonst wären sie ja kein Geschenk. Aus
Liebe heraus einfach nur um dem anderen eine Freude zu machen, wie damals, als
wir noch ganz klein waren und unserer Mutti das Gänseblümchen mit unserer
kleinen Faust aus der Wiese rupften. Der Mutti kamen die Tränen vor Glück.
Wieviel hat uns das gekostet? Damals haben wir noch nicht mit Gefühlen
gerechnet. Wir verspürten nur Glück, als sie uns dafür in den Arm nahm. Auch
wenn wir noch nicht verstehen konnten, warum sie sich nicht bei uns, sondern bei
Vati für dieses Geschenk bedankte.
Nein, natürlich haben Sie das auch nicht vergessen, wir haben nur soviel gelernt
zu rechnen, daß wir anfangen zu glauben, wir könnten es uns nicht leisten, etwas
zu verschenken.
Nur diese Rechnung geht nicht auf.
Es sind eben Gefühle und wenn nur einer einem anderen etwas Glück schenkt,
würden am Ende alle glücklich sein, oder habe ich vielleicht doch wieder
verlernt zu rechnen?
© 2004 by Lisa Peters
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